Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V.

 

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Gemäß unserem Plan, eine Küche für besonders arme Kinder in Heltau (Cisnadie) in Rumänien zu eröffnen, begannen wir, die dafür benötigten Spendengelder zu sammeln. Wir hatten kalkuliert, dass die Küche im Monat ca. 1400 Euro kosten würde. Jenny Rasche und Susanne Knappe hielten viele Vorträge z. B. vor Vereinen, wie Rotariern, in Schulen, bei einer Frauentagsfeier usw. Außerdem stand die "Volksstimme" (Lokalzeitung) inzwischen voll hinter uns und unterstützte uns, indem sie regelmäßig unsere gewünschten Artikel abdruckte.

Weiterhin wurden eine Vielzahl von Firmen und Privatpersonen um Geldspenden gebeten. Ganz besonders versuchten wir, Dauerspender zu finden, um so die Finanzierung auch langfristig auf sichere Füße zu stellen.

Eugenia Czenter, die Leiterin unseres Partnervereins in Heltau ("Heltau-Vilshoven") verhandelte derweil mit dem Bürgermeister der Stadt über eine in Frage kommende Küche in einer Schule. Die Küche wurde schon seit vielen Jahren nicht mehr genutzt.

Als wir Ende Januar 2004 das Geld für drei Monate Küchenbetrieb und einige Renovierungsarbeiten zusammen hatten, riefen wir in Heltau an, dass wir am 19.02.04 kommen würden, um die Küche zu eröffnen. Das Risiko war groß, denn wir wussten nicht, ob wir auch weiterhin genug Spenden sammeln konnten. Aber es war Winter und es schien uns für diese Zeit am wichtigsten, die Kinder mit Essen zu versorgen. Notfalls wollten wir die Küche während der Haupterntezeit vorübergehend schließen.

Wir fuhren also wie geplant nach Heltau. Der Bürgermeister zeigte sich jedoch weit weniger kooperativ als wir angenommen hatten. Er wollte uns die Küche nur zur Verfügung stellen, wenn wir dem Rathaus das Geld übergeben und die Stadt Heltau sich um den Betrieb der Küche kümmern würde. Er räumte uns Kontrollrechte ein. Wir vertrauten ihm jedoch nicht, da uns das Problem der Korruption inzwischen hinlänglich bekannt war. Nach zwei Stunden erfolgloser Diskussion verließen wir das Rathaus. Der Plan "Küche" schien erstmal gescheitert.

Eugenia Czenter hatte jedoch schon eine Idee. Sie nahm Kontakt zu einem dortigen Fabrikanten auf, der in einer stillgelegten Fabrik die ehemalige Kantine für Feiern vermietete. Er sagte zu, uns die Räume zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wollte er für die Kosten für Strom, Gas und Wasser aufkommen. Begeistert begannen wir mit den Vorbereitungen für die Eröffnung. Wir starteten mit 50 Kindern, welche aus ganz besonders armen Familien ausgewählt wurden. In der Küche wurde ab dem 27.02.04 wochentäglich ein Essen ausgereicht, welches folgendes beinhaltete: Vorsuppe, Hauptgericht (mind. 3-mal in der Woche mit Fleisch) und Nachtisch (meist Obst, manchmal Kuchen oder Pudding). Das Essen schmeckte den Kindern sehr gut, was wir auch bei späteren Besuchen immer wieder beobachten konnten.

Während unseres Aufenthaltes besuchten wir Stephan Konstantin, einen 45-jährigen Mann, welcher an einer schweren und unheilbaren Krankheit litt. Da diese Krankheit ihm große Schmerzen bereitete, bezahlen wir seitdem die Schmerzmittel, die er verschrieben bekommt. Die Familie konnte sich die Medikamente nicht leisten.

Weiterhin lernten wir Andreea Din kennen. Sie war damals fünf Jahre alt. Bei hatten Ärzte eine Mehlallergie sowie einige andere Krankheiten diagnostiziert. Für Andreea werden die Medikamente von unserem Verein bezahlt. Außerdem versorgen wir sie mit Spezialmehl, aus dem für sie Brot gebacken wird, sowie Spezialnudeln und -kekse. Andreea geht es inzwischen, nach einigen Rückschlägen, sehr gut. Die Versorgung wird bis auf weiteres aufrechterhalten.

Weiterhin gründeten wir in Heltau den Verein "Speranta si Zambet" (Hoffnung und Lächeln), in dem Jenny Rasche Vorsitzende und Susanne Knappe Mitglied wurden. Der Verein sollte die Küche in Heltau verwalten.

Wieder in Deutschland sammelten wir weiter Spenden, vor allem Dauerspender, und bereiteten einen Hilfstransport für Mai vor, bei dem vor allem Kleidung und Schuhe mitgenommen wurden, aber auch Spielzeug und Süßigkeiten.

Im April finanzierten wir einige Osteraktionen. So wurden 200 Lebensmittelpakete zu Ostern verteilt und die Kinder der Küche sowie ihre Geschwister und etwa 80 Kinder einer Elendssiedlung nahe Heltau erhielten Süßigkeiten

Im gleichen Monat gründeten wir dann endlich unseren Verein "Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V." der bis dahin eine Aktiv-Gruppe des Jugendnetzwerk Wernigerode e.V. gewesen ist.

Zwischendurch gab es Probleme mit der Unterbringung von Robert Schuster. Die Familie, die ihn im Dezember aufgenommen hatte und seit dem von uns finanziell unterstützt wurde, fühlte sich langfristig nicht in der Lage einen geistig zurückgebliebenen jungen Mann bei sich wohnen zu lassen. Kurzfristig erklärte sich Elena Botarell, einer unserer Köchinnen, dazu bereit, ihn vorübergehend bei sich aufzunehmen. Im Oktober konnten wir ihn dann in einer Behinderteneinrichtung, die eine Art "Betreutes Wohnen" anbietet, unterbringen. Er hat dort viele Freunde gefunden. Bei unseren Besuchen in Heltau schauen wir natürlich auch regelmäßig bei Robert vorbei. Außerdem wurde das Heim von uns mit einigen Sachen aus dem Transport unterstützt, wie z. B. Gehhilfen, Rollstühlen, Handtüchern, Kleidung und Hygieneartikeln.

Als wir unser Projekt im Mai besuchten, hatte sich die Zahl der Kinder in der Küche bereits auf 69 gesteigert. Einige Notfälle waren aufgenommen worden. Die Kosten blieben jedoch ungefähr bei den kalkulierten 1400 Euro. Das lag vor allem an der sparsamen Haushaltsführung von Eugenia Czenter aber auch an unserer großzügigen Kalkulation. Hinzu kamen jedoch Kosten für Medikamente.

Im Mai lernten wir Elena Dragidhi kennen, eine junge Frau, die an einem Hirn-Tumor operiert worden war. Mühsam lernte sie nun mit Hilfe ihrer Familie wieder sprechen, laufen usw. Die notwenigen Medikamente kosteten mehr, als die Familie im Monat zur Verfügung hat. Der Verein übernahm wiederum die Kosten. Außerdem bezahlten wir eine Reha-Maßnahme. Elena geht es inzwischen immer besser. Sie wird jedoch noch einige Zeit die Medikamente brauchen.

Mit den Kindern im Kinderheim Tornu Rosu führten wir ein Kinderfest durch. Hierbei wurden wir tatkräftig von unseren rumänischen Freunden unterstützt.

Im Juni wurde in der Küche der Kindertag gefeiert. Die Kinder führten vor ihren Eltern ein kleines Programm auf und alle sangen und tanzten zusammen. Jedes Kind erhielt Süßigkeiten, Kleidung und Spielzeug. Auch die Kinder der nahen Elendssiedlung erhielten kleine Geschenke.

Im Sommer erhielten wir von Eugenia Czenter die Nachricht, dass wir in der derzeitigen Küche nicht bleiben können. Es wurde uns keine Frist gesetzt, jedoch legte man uns nahe, in den nächsten Monaten eine andere Lösung zu finden.

In Heltau hatte es im Juni Wahlen gegeben und im Rathaus war nun ein neuer Bürgermeister. Dieser war bereit, uns nun doc h die andere Küche zur Verfügung zu stellen. Außerdem wollte sich die Stadt Heltau an dem Projekt beteiligen, so dass dann 100 Kinder dort essen können. Da wir dem neuen Bürgermeister auch nicht trauten, vereinbarten wir bei unserem Besuch im September eine getrennte Buchhaltung. Es wurde genau vereinbart, welche Kosten die Stadt trägt und welche unser Verein. Die Lösung war für uns annehmbar und da wir ohnehin umziehen mussten, waren wir einverstanden. Außerdem sollten Lehrer/innen eingestellt werden, so dass eine gezielte Nachhilfe erfolgen konnte.

Die neue Küche startete ihren Betrieb am 1. Oktober. Bis Dezember erhöhte sich die Zahl der Kinder auf 126. Anfang Dezember wurden auch die Kurse eröffnet, in denen die Kinder Nachhilfe in den Fächern erhalten sollten, in denen sie besondere Schwierigkeiten hatten. Die Lehrer/innen arbeiteten entweder umsonst oder für eine geringe Aufwandsentschädigung, welche von unserem Verein getragen werden sollte.

Zu erwähnen wäre noch, dass wir im September einen Kleidertransport in ein großes Behindertenheim ca. 80 Km von Heltau entfernt brachten. Dem Heim war im Winter die Kleiderkammer abgebrannt und Eugenia Czenter hatte uns gebeten, auch dort einmal zu helfen. Wir taten dies gern. Weiter können wir dort jedoch nicht helfen, da es sich um ein sehr großes Heim handelt (über 400 Bewohner) und somit ein neues Projekt wäre. Unsere finanziellen Mittel reichen dazu nicht aus.

Im Dezember begannen dann in Heltau die von unserem Verein finanzierten Weihnachtsaktionen. Eugenia Czenter bereitete mit einem ganzen Team freiwilliger Helfer mehrere Weihnachtsfeiern für die Heltauer Kinder generalstabsmäßig vor. Die Kinder hatten wieder kleine Programme eingeübt. Natürlich wurden erst einmal die Kinder der Küche zusammen mit Geschwistern und Eltern eingeladen. Jedes Kind erhielt eine Tüte mit Süßigkeiten, Malsachen und Obst. Außerdem wurden Lebensmittelpakete und Kleidung verteilt. Später wurden andere Kinder eingeladen (natürlich mit Eltern), die noch nicht in der Küche essen. Auch sie erhielten ihre Weihnachtstüte. Die Familien bekamen auch Lebensmittel und Kleidung. Das gleiche wurde in der Siedlung nahe Heltau durchgeführt, in der ca. 80 Kinder leben. Insgesamt wurden 500 Tüten für die Kinder, 250 Lebensmittelpakete und 250 Pakete mit Kleidung verteilt.

Mitglieder unseres Vereins konnten aus gesundheitlichen Gründen erst nach Weihnachten nach Heltau fahren (entgegen ursprünglicher Planung). Sie feierten Weihnachten mit den Kindern im Bahnhofsviertel von Heltau, mit dem Behindertenheim, in dem jetzt auch Robert wohnt sowie mit den Kindern in Tornu Rosu, für die auch Geschenke eingekauft wurden.

 

Alles lief sehr gut, bis zu folgendem Ereignis:

 

Am 30.12.04 erhielt Eugenia Czenter als Vertreterin des Vereins "Speranta si Zambet" einen Brief vom Heltauer Bürgermeister. In 3 Zeilen erklärte er die Zusammenarbeit mit unserem Verein für nichtig und ab 1.1.05 für beendet. Zum allerersten Mal hatten wir uns in Rumänien entschlossen, mit einer Behörde zusammen zu arbeiten, und nun sahen wir, dass das wohl keine gute Idee gewesen war. Finanziell bedeutete die Kündigung keinen Verlust, da getrennte Kassenhaltung vereinbart worden war. Aber nun standen unsere 69 Küchenkinder wieder ohne ein ordentliches Essen da – und das mitten im Winter. Das konnten und durften wir nicht zulassen.

In einer umgehend einberufenen Besprechung wurde von den Mitglieder von "Speranta si Zambet" eines klargestellt: WIR MACHEN WEITER!

Keine noch so desinteressierte, ignorante und korrupte Behörde in Rumänien wird uns daran hindern, diese Kinder weiter zu ernähren und zu fördern. Und das Wichtigste: Der Küchenbetrieb wird so schnell wie möglich wieder aufgenommen. Als Termin wurde der 10.01.05 festgesetzt. Bis dahin wird Eugenia Czenter in ihrem eigenen Haus und auf eigene Kosten eine vorhandene Küche umbauen. Unser Verein wird einen kleinen Bus anschaffen, welcher täglich das Essen in Wärmebehältern zu den Kindern bringt.

Es werden geeignete Räumlichkeiten gesucht, um auch so schnell wie möglich die Nachhilfe wieder aufnehmen zu können.

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Um dauerhaft unabhängig zu sein und unsere Arbeit kontinuierlich fortsetzen zu können, wird es in Zukunft unumgänglich sein, ein eigenes Haus für den Verein zu erwerben. In diesem Haus könnte dann das Projekt so gestaltet werden, wie unser Verein es schon immer für die Kinder wollte. Natürlich soll es dann weiter Essen und Nachhilfe geben. Aber es soll für die Kinder auch möglich sein, einmal zu duschen. Unternehmungen mit den Kindern könnten stattfinden. Arbeitsgemeinschaften könnten gegründet werden. Aber auch die Arbeit mit den Eltern könnte intensiviert werden, z. B. durch Kurse über Hygiene, Ernährung und Kindererziehung. Bewerbungs-Training für ältere Kinder könnte stattfinden, aber auch Eltern könnten für ein Bewerbungsgespräch fit gemacht werden.

Dieses Haus würde ein Sozialzentrum sein, in dem individuell und intensiv mit Familien gearbeitet wird - und zwar ohne, dass jemand ein finanzielles Interesse daran hat (für viele Rumänen eine völlig neue Erfahrung).

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Das Jahr 2004 war für unseren Verein ein erfolgreiches Jahr. Wir eröffneten die Küche, machten Fortschritte in der Familienhilfe und das Kinderheim Tornu Rosu vertraut uns und ist bereit, mit uns zusammen zu arbeiten. Das Spielzimmer soll trotz allem im nächsten Frühjahr entstehen.

Unser Wille, den Kindern zu helfen, ist ungebrochen. Eines haben wir gelernt: Verlass dich nie auf eine Behörde, schon gar nicht in Rumänien.

Auch Eugenia Czenter ist nach dem anfänglichen Schock wieder voller Tatendrang. Die Zusammenarbeit der beiden Vereine ist deshalb so gut, weil wir alle das gleiche Ziel haben: Wir wollen, dass auch diese Kinder eine Chance bekommen.

 

 
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